Pflanzenextrakte richtig lesen: Standardisierung, Leitstoffe und Sicherheit bei Ashwagandha, Shilajit und Löwenmähne
David HejdukPflanzenextrakte standardisiert: Bei Ashwagandha, Shilajit und Löwenmähne nennt das Etikett oft einen Prozentwert, etwa „10 % Withanolide“ oder „20 % Fulvinsäure“. Dieser Wert beschreibt, wie viel eines Leitstoffs im Extrakt steckt. Er sagt nichts über eine Wirkung aus: Für diese drei Rohstoffe gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Dieser Artikel erklärt, wie du Angaben liest, was die Studienlage hergibt und warum bei Ashwagandha die Hinweise des BfR zählen. Allgemeine Auswahlkriterien stehen in Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll auswählen.
Das Wichtigste in Kürze
- Standardisiert heißt: Der Gehalt eines Leitstoffs ist deklariert und analytisch bestimmt, nicht, dass der Extrakt etwas Bestimmtes bewirkt.
- Rechtlich: Für Ashwagandha, Shilajit und Löwenmähne liegen keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben vor. Wirkaussagen sind unzulässig.
- Ashwagandha: Das BfR rät Kindern, Schwangeren, Stillenden und Personen mit bestehender oder früherer Lebererkrankung ab und nennt keinen Richtwert für eine unbedenkliche Menge (Mitteilung 039/2024).
- Shilajit: Der Rohstoff stammt aus Gestein; Schwermetalle sind ein Prüfpunkt. Die klinische Datenlage ist dünn.
- Löwenmähne: Die klinische Datenlage ist begrenzt; entscheidend ist, ob Fruchtkörper oder Myzel deklariert ist.
Was bedeutet „standardisierter Extrakt“?
Ein Extrakt entsteht, indem Inhaltsstoffe aus Wurzel, Pilz oder Harz gelöst und aufkonzentriert werden. „Standardisiert“ bedeutet, dass ein oder mehrere Leitstoffe auf einen festgelegten Anteil eingestellt und analytisch bestimmt werden, zum Beispiel Withanolide bei Ashwagandha. Das macht Chargen vergleichbar. Es belegt nicht, dass genau dieser Stoff für eine Wirkung verantwortlich ist, und es sagt nichts über Reinheit aus. Reinheit prüfst du über Laborberichte, siehe Laborbericht lesen.
Ein Prozentwert ist außerdem keine Dosis. Entscheidend ist die Menge Leitstoff pro Tagesportion, also Extraktmenge mal Prozentwert.
Welche Angaben machen wir bei NOVERAH?
| Produkt | Deklarierter Leitstoff | Menge laut Nährwerttabelle |
|---|---|---|
| Ashwagandha Kapseln | 10 % Withanolide | 300 mg Extrakt je Kapsel, davon 30 mg Withanolide |
| Shilajit Kapseln | 20 % Fulvinsäure | 600 mg Extrakt je 2 Kapseln, davon 120 mg Fulvinsäure |
| Shilajit Pulver | 5 % Fulvinsäure | 1.000 mg je Tagesdosis, davon 50 mg Fulvinsäure |
| Löwenmähne Gummies | Polysaccharide, Beta-Glucane (Fruchtkörper) | 200 mg Extrakt je 2 Stück, davon 56,4 mg Polysaccharide und 8,0 mg Beta-Glucane |
| Ashwagandha Pulver | kein Extrakt, gemahlene Wurzel | 3 g Pulver je Tagesdosis, ohne Standardisierung |
Die Werte stammen aus den Produktseiten (Stand Oktober 2026). Maßgeblich ist immer die Nährwerttabelle der Produktseite.
Was gilt bei Ashwagandha?
Das BfR hat in seiner Mitteilung 039/2024 vom 10. September 2024 Ashwagandha-Präparate bewertet. Es berichtet von Fallberichten zu Leberschäden bis hin zu akutem Leberversagen und rät Kindern, Schwangeren, Stillenden sowie Personen mit bestehender oder früherer Lebererkrankung von der Einnahme ab. Die Präparate können außerdem die Schilddrüsenfunktion beeinflussen; Hinweise gibt es auf Wechselwirkungen mit Antidiabetika, Blutdrucksenkern und Immunsuppressiva. Ein Richtwert für eine unbedenkliche Aufnahmemenge wurde nicht abgeleitet, weil die Datenlage nicht ausreicht. Der übrigen Bevölkerung rät das BfR zur Zurückhaltung.
Zur Leber: Eine Fallserie aus Island und dem US-amerikanischen DILIN-Netzwerk beschreibt fünf Fälle mit Gelbsucht nach 2 bis 12 Wochen Einnahme; die Leberwerte normalisierten sich bei vier Patienten innerhalb von 1 bis 5 Monaten (Björnsson 2020). Ein Scoping-Review von 2026 fand 13 Publikationen mit 25 Betroffenen, überwiegend mit cholestatischem oder gemischtem Verlauf (McIntyre 2026). Diese Berichte belegen einen Zusammenhang im Einzelfall, aber keine Häufigkeit. Eine Einschätzung, wie oft das auftritt, lässt sich daraus nicht ableiten.
Was gilt bei Shilajit?
Shilajit, auch Mumijo genannt, ist ein harzartiger Stoff aus Gestein, der Huminstoffe wie Fulvinsäure enthält. Weil er aus Gestein stammt, ist die Prüfung auf Schwermetalle ein Kernpunkt. In einer Analyse von zwölf Proben aus verschiedenen Herkunftsregionen schwankten die Elementgehalte deutlich; die Gehalte toxischer Elemente lagen unter den herangezogenen Schwellenwerten (Kamgar 2026). Das zeigt, wie unterschiedlich Proben sein können, und ersetzt keine Prüfung der einzelnen Charge.
Klinisch ist die Datenlage dünn: Eine 28-Tage-Pilotstudie mit 25 gesunden Männern hatte keine Kontrollgruppe, und die Autoren sind bei einem Hersteller beschäftigt (Yadav 2026). Das reicht nicht für Aussagen zur Wirkung. Für Schwangere, Stillende sowie Kinder und Jugendliche sind unsere Shilajit-Produkte nicht geeignet.
Was gilt bei Löwenmähne?
Löwenmähne (Hericium erinaceus) enthält unter anderem Polysaccharide, darunter Beta-Glucane, sowie Terpenoide wie Hericenone und Erinacine (Contato 2025). Die untersuchten Inhaltsstoffe stammen aus Fruchtkörpern und aus dem Myzel (Menon 2025). Deshalb ist die Deklaration wichtig: Fruchtkörper und Myzel sind nicht dasselbe Rohmaterial. Unsere Gummies nennen auf der Zutatenliste den Fruchtkörper.
Ein systematischer Review von 2025 wertete fünf randomisierte Studien, drei Pilotstudien und weitere Arbeiten aus; als mögliche Nebenwirkungen nennt er Magenbeschwerden, Kopfschmerzen und allergische Reaktionen (Menon 2025). Ein Übersichtsartikel hält fest, dass die klinische Validierung begrenzt bleibt und Extraktionsverfahren standardisiert werden müssten (Contato 2025). Wirkaussagen sind daher weder zulässig noch belegt. Die Gummies enthalten zusätzlich Vitamin B6; nur dazu gibt es zugelassene Angaben (siehe unten).
Worauf achtest du beim Kauf?
- Leitstoff und Menge: Prüfe, ob ein Prozentwert und die Menge pro Tagesportion angegeben sind.
- Pflanzenteil: Wurzel, Fruchtkörper oder Myzel? Die Zutatenliste muss es nennen.
- Extrakt oder Pulver: Pulver und Extrakt sind nicht vergleichbar; 3 g Wurzelpulver sind kein 300-mg-Extrakt.
- Laborbericht: Charge, Datum, Prüfumfang (Schwermetalle, Mikrobiologie). Hinweise dazu in Laborbericht lesen.
- Zusatzstoffe: Trennmittel und Füllstoffe stehen in der Zutatenliste, siehe Zusatzstoffe erkennen.
- Ausschlusskriterien: Schwangerschaft, Stillzeit, Lebererkrankungen und Arzneimitteleinnahme vorher ärztlich klären.
- Verzehrempfehlung einhalten: Mehr ist bei Pflanzenextrakten nicht besser.
Welche NOVERAH Produkte passen?
Alle Produkte dieser Kategorie findest du unter Pflanzenextrakte. Zu diesem Artikel passen die Ashwagandha Kapseln mit 10 % Withanolide (1 Kapsel täglich), die Shilajit Kapseln mit 20 % Fulvinsäure (2 Kapseln täglich), das Shilajit Pulver mit 5 % Fulvinsäure und die Löwenmähne Gummies mit Vitamin B6 (2 Stück täglich). Vitamin B6 trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei; die Gummies enthalten 1,4 mg (100 % NRV) je Tagesportion. Die Zutatenliste nennt Zuckeraustauschstoffe (Maltit, Erythrit, Sorbit), die bei übermäßigem Verzehr abführend wirken können. Wie wir Produkte prüfen, erklärt die Seite Qualität.
Food First
Pflanzenextrakte sind kein Bestandteil der üblichen Ernährung. Regelmäßige Mahlzeiten, Bewegung, Tageslicht und ausreichend Schlaf bleiben die Basis. Ein Supplement ergänzt diese Basis gezielt und ersetzt sie nicht.
Häufige Fragen
Was bedeutet „10 % Withanolide“?
Der Extrakt enthält 10 % Withanolide als deklarierten Leitstoff. Bei 300 mg Extrakt sind das 30 mg. Der Wert beschreibt die Zusammensetzung, nicht eine Wirkung.
Gibt es zugelassene Gesundheitsangaben für Ashwagandha, Shilajit oder Löwenmähne?
Nein. Für diese drei Rohstoffe liegen in der EU derzeit keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben vor. Deshalb nennen wir nur Stoff, Form und Menge.
Wer sollte Ashwagandha nicht einnehmen?
Das BfR rät Kindern, Schwangeren, Stillenden sowie Personen mit bestehender oder früherer Lebererkrankung ab. Bei Schilddrüsenerkrankungen und bei Einnahme von Arzneimitteln sollte vorher ärztlicher Rat eingeholt werden.
Warum ist die Schwermetallprüfung bei Shilajit wichtig?
Shilajit stammt aus Gestein und kann von Natur aus Metalle enthalten. In einer Analyse von zwölf Proben unterschieden sich die Gehalte stark nach Herkunft. Eine Chargenprüfung schafft Klarheit.
Was ist der Unterschied zwischen Fruchtkörper und Myzel bei Löwenmähne?
Der Fruchtkörper ist der sichtbare Pilz, das Myzel das Pilzgeflecht. Es sind unterschiedliche Rohmaterialien. Deshalb muss die Zutatenliste angeben, was verwendet wurde.
Weiterlesen
- Laborbericht lesen: Was ein Prüfbericht bei Supplements aussagt
- Zusatzstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln erkennen: Magnesiumstearat, Titandioxid und Co.
- Sortiment: Pflanzenextrakte
Quellen
- BfR – Mitteilung 039/2024 vom 10. September 2024: Ashwagandha (Schlafbeeren)-Präparate mit möglichen gesundheitlichen Risiken
- Björnsson H.K. et al. – Ashwagandha-induced liver injury: a case series from Iceland and the US DILIN. Liver Int 2020;40(4):825: doi:10.1111/liv.14393 (laut PubMed)
- McIntyre D. et al. – Ashwagandha-associated liver injury: a scoping review. Cureus 2026;18(5):e109764: doi:10.7759/cureus.109764 (laut PubMed)
- Kamgar E. et al. – Characterization of metal composition and molecular weight distribution in Shilajit. J Trace Elem Med Biol 2026;96:127913: doi:10.1016/j.jtemb.2026.127913 (laut PubMed)
- Yadav D. et al. – TruBlk Shilajit resin, 28-day open-label pilot study. Cureus 2026;18(1):e102372: doi:10.7759/cureus.102372 (laut PubMed)
- Menon A. et al. – Benefits, side effects, and uses of Hericium erinaceus as a supplement: a systematic review. Front Nutr 2025;12:1641246: doi:10.3389/fnut.2025.1641246 (laut PubMed)
- Contato A.G., Conte-Junior C.A. – Lion's mane mushroom (Hericium erinaceus): a narrative review. Nutrients 2025;17(8):1307: doi:10.3390/nu17081307 (laut PubMed)
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – zugelassene Angaben
Hinweis
Autor: David Hejduk · Stand: Oktober 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern aufbewahren.